Aus dem Leben eines Busreisenden, Teil 1

Seit Anfang diesen Jahres dürfen nun auch Linienbusse auf Fernstrecken fahren, die bis dahin durch ein Monopol von der Bahn blockiert waren. Bedient wird genau die Strecke, die ich brauche und das auch noch zu einem Spottpreis – trotzdem hat es sieben Monate gedauert, bis ich zum ersten Mal außerhalb eines Schul- oder Arbeitsausfluges in einen Reisebus gestiegen bin.

Entschieden habe ich mich auf der Strecke München-Stuttgart für city2city. Kosten sollte mich der Spaß 8€ – für den günstigsten Preis, den ich bei der Bahn mit BahnCard25 und Frühbuchersparpreis für diese Fahrt bekommen kann, könnte ich also mit dem Bus fast zweimal fahren. Erwartet habe ich bei dem Preis zugegebenermaßen nicht allzu viel außer von A nach B zu kommen. Gott sei Dank wurde ich aber dann mehr als positiv überrascht.

Schon die Buchung lief erfreulich einfach und schnell: Die gewünschte Strecke auswählen, Uhrzeit anklicken, Name und E-Mail eingeben, auf Wunsch für ein SMS-Ticket auch die Handynummer, Sitzplatz aussuchen, Zahlungsmethode angeben und ab damit. Zehntelsekunden später hat auch schon mein Handy gepiept und ich hatte eine Mail mit dem Ticket in pdf-Form zum Ausdrucken.

Am Reisetag war der Bus am Münchner ZOB auch ganz einfach zu finden; eine halbe Stunde vor Abfahrt stand ein moderner Reisebus von Mercedes-Benz bereit – an Board zwei Fahrer, die sich noch ihre wohlverdiente Pause genehmigten, bevor es zehn Minuten vor Abfahrt an den Einstieg ging. Einer der Fahrer kümmerte sich um die Passagierliste (das geht heutzutage ja alles ganz einfach via iPad), der andere verstaute das Gepäck. Wie man es vom Flughafen kennt, gab es für jeden Koffer und jede Reisetasche ein Bändchen und man selbst die zugehörige Nummer dazu, damit es später auch keine Verwechslungen geben kann.

Im Bus selbst gab es bequeme Sitze mit – zumindest für mich kleinen Menschen, wie das ein 2m-Riese sieht, weiß ich nicht – ausreichend Beinfreiheit. Dank direkter Platzbuchung kam es auch zu keinem nervigen „wo soll ich denn nur sitzen“ der Mitreisenden. Für die mifahrenden Kinder wurden vom Fahrer sogar noch extra Kindersitze hervorgezaubert.

Los ging es dann relativ pünktlich und zur Einstimmung gab es erstmal einen Sicherheitsfilm. Fehlten eigentlich nur noch die Stewardessen mit ihren typischen Handbewegungen. Die Fahrt selbst verlief so, wie man es eben von einer Fahrt durch den Münchner Stadtverkehrt und über die A8 und B10 kennt – mal läuft es, mal stockt es, mal staut es. Aber für den dicken Unfall-Stau und die daraus resultierende 30-minütige Verspätung kann ja das Busunternehmen nichts. Und da ich ohnehin keinen Zeitdruck hatte und mit genug Proviant ausgestattet war, war es mir auch vollkommen egal, ob wir nun früher oder später ankommen. Der Halt in Augsburg ging dafür so flott, dass man es fast nicht mitbekommen hätte.

Was lässt sich also als Fazit sagen?
Die Buchung lief fantastisch, die Fahrt war angenehm, der Bus modern und sauber, die Toilette eben so, wie Bustoiletten sind – klein und eng. Aber hygienetechnisch einwandfrei. Und der Preis natürlich unschlagbar.
Zu bemängeln gibt es allerdings auch etwas, wenn auch nicht viel. Eine kurze Begrüßung und Vorstellung der Busfahrer wäre schön gewesen. Auch hätte man kurz vor Augsburg eine Durchsage machen können, damit man weiß, wo man gerade ist. Das kann aber auch daran gelegen haben, dass dort niemand ausgestiegen ist; vor Stuttgart hat sich der Beifahrer nämlich zu Wort gemeldet. Vielleicht sollte man auch den Sicherheitsfilm nach den einzelnen Stationen nochmal zeigen, damit auch die Zugestiegenen informiert sind. Und ein kleines Angebot an Getränken und Snacks ist auch nie verkehrt.

Alles in allem habe ich mich irgendwie ein bisschen gefühlt wie auf einem Schulausflug – nur eben mit unbekannten Klassenkameraden. Nochmal fahren werde ich auf jeden Fall. Das nächste Mal aber wahrscheinlich mit einem anderen Anbieter. Nicht, weil city2city schlecht war, im Gegenteil. Aber man möchte doch auch ein bisschen vergleichen.
Ob ich mir allerdings eine längere Fernstrecke im Bus zutrauen würde, weiß ich noch nicht. Grenzwertig waren diese dreieinhalb Stunden schon. Irgendwann möchte man doch mal gerne aufstehen und sich ein wenig die Beine vertreten. Eine Fahrt von acht Stunden oder mehr quer durch die Republik könnten da also ein wenig anstrengend werden. Deswegen werde ich meine BahnCard jetzt auch auf keinen Fall kündigen.

Achso. Noch die Frage, wieso ich denn eigentlich erst jetzt auf den Trichter Bus statt Bahn komme, wo ich doch so gerne unterwegs bin und mir  immer daran gelegen ist, Geld zu sparen. Ich will ehrlich sein – bisher dachte ich, ich könne im Bus genauso wenig lesen wie im Auto. Und was will ich auf einer dreistündigen Fahrt ohne was zu lesen? Richtig: Aussteigen. Erfreulicherweise ist das Experiment aber geglückt und meine Befürchtung hat sich nicht bewahrheitet. 1:0 für dich, Bus.

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Read ’n Food-Challenge: Juni 2013

Schon wieder ist es kurz vor knapp geworden, aber auch den Juni habe ich bewältigen können.

Das Buch
„Der Tod in mir“ von Paul Cleave

Als sein Vater als Serienmörder verhaftet wird, ist Edward Hunter noch ein Kind. Es gelingt ihm, die Vergangenheit abzuschütteln. Mittlerweile selbst Familienvater, führt er ein beschauliches Leben in Christchurch, Neuseeland. Doch plötzlich holt ihn die Gewalt wieder ein. Bei einem brutalen Banküberfall wird Edwards Frau Jodie kaltblütig erschossen. Der Schmerz des Verlusts droht Edward zu überwältigen. Und als wenig später seine kleine Tochter entführt wird, erwacht in Edward ein Dämon, der nur eins verlangt: Rache.

Gleich vorab das erste Geständnis: Ich habe das Buch nicht zu Ende gelesen. Der Klappentext versprach zwar einen spannenden Thriller, doch eigentlich hätte ich bei dem Wort „Dämon“ schon hellhörig werden müssen. Viel zu sehr ging es mir nämlich irgendwann in die Dan-Wells-Richtung, und schon dessen erstes Buch habe ich abgebrochen.

Es fängt eigentlich noch ganz nett an – wenn man sich auch als Deutscher erstmal daran gewöhnen muss, dass die Neuseeländer die Vorweihnachtszeit in brütender Hitze verbringen. Über das Verhalten Edwards während des Banküberfalls musste ich allerdings ein wenig den Kopf schütteln. Aber gut, wer weiß schon, wie er sich selbst in so einer Situation verhalten würde. Das nächste, was ich nicht verstanden habe, war die Tatsache, dass er danach schließlich seinen Vater, einen verurteilten Serienmörder, im Gefängnis besucht, zu dem er zuvor sein Leben lang keinen Kontakt wollte. Und genau damit fängt für mich das Übel an.

Edwards ständiger Begleiter ist nämlich „das Monster“, wie er es nennt – eine böse Stimme, die ihm unentwegt einredet, er müsse Menschen töten. Sein Vater kennt diese Stimme auch – sie hat ihn zum Serienmörder gemacht, nur hieß sie bei ihm „die Dunkelheit“. Natürlich versucht Edward sich zunächst dagegen zu wehren und widerspricht dem „Monster“, hat aber selbstredend keine Chance und macht sich irgendwann auf, um den ersten Mord zu begehen. Doch den verübt er natürlich nicht selbst, sondern das „Monster“.

Das treibt ihn bestimmt auch noch zu unzähligen weiteren Gräueltaten, aber das habe ich nicht mehr mitbekommen. Auch nicht, wie seine Tochter entführt wird, wer letztendlich den Banküberfall begangen hat, ob Edward schlussendlich seinem Vater Gesellschaft leisten kann und wie der ominöse Mord durch Fenstersturz zu Beginn des Buches damit zusammenhängt.

Dieses paranormal angehauchte Stimmen-Hören ist einfach nichts für mich. Wäre Edward normal geblieben, hätte ich das Buch vermutlich zu Ende gelesen, aber mit so einem Unsinn kann ich nichts anfangen. Da wäre mir ein normales Einmischen in die Ermittlungen, eine eigenmächtige Suche nach den Tätern und ein bei vollkommenen Bewusstsein gestarter Rachefeldzug wirklich lieber gewesen.

Trotzdem vergebe ich für eine eigentlich vielversprechende Story und für das, was vielleicht noch hätte kommen können die Note 4.
Im Fünf-Sterne-Prinzip springen immerhin noch zwei raus.

Das Essen
Banana Bread

Hier gleich das zweite Geständnis: Wirklich neuseeländisch ist das Essen vielleicht nicht. Aber da es für uns Europäer von dort nach Australien nur ein Katzensprung ist, lass ich einfach mal deren Lieblingsfrühstück für die Challenge durchgehen.

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Read ’n Food-Challenge: Mai 2013

Im April musste ich die Challenge leider umzugsbedingt pausieren lassen, aber aufgegeben habe ich noch nicht. Deswegen heute kurz vor Ende dieses verregneten Monats wieder ein bisschen literarisches Essen.

Das Buch
„Nordermoor“ von Arnaldur Indriðason

Was zunächst aussieht wie ein typisch isländischer Mord – schäbig, sinnlos und schlampig ausgeführt -, erweist sich als überaus schwieriger Fall für Erlendur von der Kripo Reykjavik. Wer ist der tote alte Mann in der Souterrainwohnung in Nordermoor? Warum hinterlässt der Mörder eine Nachricht bei seinem Opfer, die niemand versteht? – Während schwere Islandtiefs sich über der Insel im Nordatlantik austoben, wird eine weitere Leiche gefunden …

„Nordermoor“ ist der dritte Teil einer Reihe um Kommissar Erlendur von der Reykjaviker Kriminalpolizei, aber der erste, der ins Deutsche übersetzt wurde. Mir ist vor einiger Zeit der erste Teil in die Hände gefallen und ich habe sofort einen Narren an dieser Reihe gefressen, sodass ich mir die übrigen Teile auch zulegen musste. Das erwähne ich deswegen, weil ich normalerweise überhaupt nicht auf Reihen stehe, weil ich es nervig finde, dass man immer zig andere Bücher lesen muss um das zu verstehen, was man eigentlich haben wollte.

Nicht nur mit Buch-Reihen habe ich oft ein Problem, sondern auch mit nordischen Autoren. So wird mir zum Beispiel nie wieder ein Jo Nesbø ins Haus kommen. Anders aber mit Arnaldur Indriðason. Sein Schreibstil hat mir sofort gefallen und seltsamerweise macht es mir hier auch überhaupt nichts aus, dass Erlendur so ein typischer Vertreter der Gattung „einsamer, geschiedener Kommissar ohne Sozialleben aber dafür mit drogensüchtigen, kriminellen Kindern“ ist. Der Autor schafft es irgendwie, das alles so stimmig niederzuschreiben, dass einem seine Hautpfigur sofort sympathisch wird.

Das Buch beginnt mit einem Leichenfund und einem Zettel mit einer seltsamen Botschaft, mit der zunächst niemand etwas anfangen kann. Erst im Laufe der Ermittlung kristallisiert sich ein Verdacht heraus, was die Worte bedeuten könnten. Dabei deckt das Team um Erlendur – typisch für die Bücher von Arnaldur Indriðason – Vergehen auf, die weit in die Vergangenheit zurückreichen und ihre Spuren in die Gegenwart ziehen. Denn das Opfer war früher selbst Täter und seine Vergangenheit scheint ihn nun einzuholen. Erlendur stößt dabei auf Ärzte mit skurril anmutenden Sammelleidenschaften und auf Islands Gendatenbank, der sozusagen die Aufklärung des Falls zu verdanken ist.

Auch wenn sich das Buch teilweise ein bisschen holprig lesen lässt, was vermutlich der Übersetzung geschuldet ist, und sich streckenweise ein bisschen in die Länge zieht, ist „Nordermoor“ ein wunderbarer Krimi mit einer sympathischen Hauptperson. Wer Kriminalromane mag, die ein bisschen über das typische „whodunnit“ hinausgehen und Realitätsbezug aufweisen, ist mit Arnaldur Indriðason gut beraten. Das einzige, woran man sich gewöhnen muss, ist das islandtypische Duzen auch von fremden oder ranghöheren Personen. Aber vielleicht gibt auch genau das einem Buch wie diesem erst den besonderen Flair.

Nach Schulnoten vergebe ich eine gute 2+.
Im Fünf-Sterne-Prinzip hat „Nordermoor“ vier Sterne verdient.

Das Essen
Fiskibollur und Skúffukaka

Das Essen zu diesem Buch hat einen großen Nachteil: Ich kann es nicht aussprechen. Aber Gott sei Dank soll ja auch nicht gesprochen, sondern gegessen werden. Und deswegen gab es –  diesmal auf Deutsch – isländische Fischbällchen und als Nachtisch einen Schokokuchen. Erstere sind leider weit entfernt von der Form eines Bällchens, aber dafür schmeckt letzterer umso leckerer. Und das sage ich, die sonst überhaupt nicht auf Schokolade steht.

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I packed everything I owned (Lady Antebellum: Home is where the heart is)

In den letzten Wochen durfte ich mal wieder feststellen, dass es Dinge gibt, bei denen es praktisch wäre, sie würden sich von alleine erledigen. Umzüge zum Beispiel. Leider tun sie das aber nicht, und so musste ich mich alleine durch die Unmengen von Sachen wühlen, die sich in den letzten viereinhalb Jahren bei mir angesammelt haben. Auch wenn ich es geahnt hatte – erschreckend ist es trotzdem, wie viel Zeug sich auf 25m² ansammeln kann. Ich traue mich gar nicht, diese Masse auf eine dreimal so große Fläche hochzurechnen…

Nichtsdestotrotz ist es endlich geschafft und der erste Teil meines Umzugs abgeschlossen. Eigentlich würde ich mich ja jetzt gerne erholen, aber in zweieinhalb Wochen geht das Drama schon wieder von vorne los. Bis dahin heißt es: Zeit rumkriegen, aus Kisten leben und weitere Kartons packen. Und nebenher noch den stressigen Arbeitsalltag meistern. In der Hinsicht habe ich wirklich die dümmste Zeit für einen Umzug ausgesucht – wenn die Kollegin vier Wochen Urlaub hat. Aber dafür ist hoffentlich endlich Frühling und ich kann mich auf einem meiner zwei Balkone in der Sonne von den stressigen letzten Wochen erholen.

Bis dahin bin ich aber erstmal kaum zu erreichen – nicht per Telefon, nicht per Post. Vor anderthalb Jahrzehnten hätte das noch bedeutet, dass man total von der Außenwelt abgeschnitten wäre und darauf hoffen müsste, dass die Menschen, die einen erreichen wollen, irgendeinen Weg finden. Heute gibt es noch zig andere Möglichkeiten, mich zu kontaktieren. Manchmal ist die moderne Entwicklung ja doch ganz gut.

Wenn ich jetzt schonmal dabei bin, möchte ich natürlich auch gleich bei all denjenigen bedanken, die mir schon geholfen haben – aktiv oder passiv – und die mir in den nächsten Wochen noch helfen werden. Was wäre ich nur ohne euch!

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Read ’n Food-Challenge: März 2013

Im Gegensatz zum letzten Monat war es diesmal ein leichtes, das Buch zu lesen. Dass es dennoch so lange gedauert hat, bis ich meinen Beitrag erstellen konnte, hat einen ganz banalen Grund: Ich hatte Urlaub. Wieso das wichtig ist, erfahrt ihr gleich.

Das Buch
„Ein toter Lehrer“ von Simon Lelic

Schulversammlung in der drückenden Hitze eines Londoner Sommers. Der Geschichtslehrer betritt die Aula – und eröffnet das Feuer: Drei Schüler und eine Lehrerin sterben, dann richtet er sich selbst.
Auf Druck von oben soll die junge Ermittlerin Lucia May den Fall schnellstmöglich abschließen. Was trieb einen kultivierten, schüchternen Lehrer zu diesem grauenvollen Verbrechen? Wie ein Puzzle setzt sie die Aussagen seiner Kollegen, der Schüler und Eltern zusammen – und bring Unvorstellbares ans Licht…

Während der ersten Seite habe ich mich noch gefragt, wie das, was ich da gerade lese, mit dem zu tun haben soll, worum es in diesem Buch gehen soll. Ich hatte erwartet, von einem Amoklauf eines Lehrers zu lesen, stattdessen brauchte es etwas Zeit, bis ich verstanden habe, was dort tatsächlich beschrieben wird: Die Zeugenaussage eines Schülers.

Solche – nicht nur von Schülern und deren Eltern, auch von Kollegen und Angehörigen des Täters – tauchen im Verlauf des Buches immer wieder auf. Um genau zu sein, bestehen die Kapitel immer abwechselnd aus einer Aussage und dem Geschehen in der Gegenwart, einige Tage nach der Tat, in der wir die ermittelnde Kommissarin begleiten, die mit der Aufklärung des Amoklaufs betraut wurde.

Diese wird von allen Seiten unter Druck gesetzt, die Ermittlungen möglichst schnell abzuschließen. Dabei scheint sie die einzige zu sein, die wirklich an einer Aufklärung interessiert ist und nicht lediglich einen Bericht mit den Worten „der Lehrer ist ausgerastet und hat um sich geschossen. Ihm allein gebührt die Schuld“ schreiben möchte. Im Laufe des Buches bekam ich immer mehr Mitgefühl mit Lucia May, die sich nicht nur unter lauter männlichen Kollegen behaupten muss, sondern die auch eine andere Art von Ermittlung führen will, als sie darf.

Doch nicht nur mit der Kommissarin bekommt man Mitgefühl, sondern auch oder vielleicht sogar hauptsächlich mit dem vermeintlichen Amokläufer Samuel Szajkowski. Wieso schreibe ich an dieser Stelle „vermeintlich“, obwohl doch – anders als in anderen Krimis und Thrillern – schon von der ersten Seite an klar ist, dass dieser Lehrer tatsächlich der Täter ist? Nun, das ist schwierig zu erklären. Vor allem, ohne zu viel vom Inhalt des Buches zu verraten. Nur so viel: Niemand handelt von sich aus so, wie er handelt. Dafür ist dieses Buch ein Paradebeispiel.

„Ein toter Lehrer“ ist ein Psychothriller wie er (achtung, schlechts Wortspiel) im Buche steht. Und dabei kommt er vollkommen ohne Darstellung von Gewalt aus sondern greift den Leser da an, wo es am meisten wehtut: In der Psyche. Dieses Buch geht wirklich an die Nieren und zwingt einen, auch dann noch darüber nachzudenken, wenn es schon lange zugeklappt ist. Minimalste Minuspunkte gibt es nur im Schreibstil der Zeugenaussagen, doch die sind lediglich persönlicher Natur.

Eine Bewertung nach Schulnoten ergäbe eine 1-.
Im Fünf-Sterne-Prinzip vergebe ich die Höchstpunktzahl.
Ein Buch, das man unbedingt gelesen haben sollte – auch oder vielleicht gerade im Schulunterricht – und das sich eigentlich durch nichts treffender beschreiben lässt als durch das aufgedruckte Zitat von Sebastian Fitzek:

Selten war ein unblutiges Buch so grausam.

Das Essen
Brotzeit

Bei einem Buch, in dem es um eine Schule geht, liegt nichts näher als sich selbst eine Brotzeit zuzubereiten. Und da kommt mein oben erwähnter Urlaub ins Spiel: In den vergangenen zwei Wochen habe ich keine gebraucht. Wie es schmeckt, werde ich allerdings erst morgen erfahren.

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I’m feeling fireworks in here, light up the atmosphere (Mrs. Greenbird: Shooting Stars & Fairy Tales)

Normalerweise sind meine Konzertbesuche monatelang geplant. Normalerweise gehe ich nicht alleine zu einem Konzert. Und normalerweise bin ich etliche Stunden vor Einlass an der Halle. Nicht so dieses Mal, nicht so bei Mrs. Greenbird.

Dieses Mal habe ich mein Ticket keine zehn Stunden vor Konzertbeginn, während ich noch im Bett lag, gekauft. Eigentlich wäre ich auch gar nicht hingegangen, aber als meine eigentliche Verabredung für diesen Abend mir krankheitsbedingt abgesagt hatte, stand ich plötzlich mit einem freien Abend da. Und weil ich es schon ein bisschen schade fand, dass sie just an dem Tag ein Konzert in Stuttgart geben würden, an dem ich bereits in München weilte, war es vielleicht sogar ein Wink des Schicksals, dass es mir an diesem Tag vergönnt war, sie doch noch zu sehen. Es hat mich zwar einiges an Überlegung gekostet und auch mehr Geld als ich gedacht hätte, aber letztendlich hat es sich mehr als gelohnt.

In Ermangelung einer Begleitung musste ich mich dann auch noch ganz alleine auf den Weg machen, und das auch noch erst eine gute halbe Stunde vor Konzertbeginn. Als ich an der Halle ankam, erwartete mich eine längere Schlange als ich gedacht hätte, was aber aufgrund der Tatsache, dass das Konzert noch von einer kleineren Halle in eine größere verlegt worden war, eigentlich nicht verwunderlich hätte sein sollen. Da leider sämtliche Kameras abgegeben werden mussten und das auch in der Halle strengstens kontrolliert wurde, gibt es von mir allerdings – trotz dass ich meine reingeschmuggelt hatte – diesmal leider keine Fotos. Auch wenn ich mir einen guten Platz auf einer Treppe in der Mitte der Halle sichern konnte und somit perfekte Sicht auf die Bühne hatte – was ich aufgrund der Tatsache, dass ich noch fünf Minuten nach offiziellem Konzertbeginn an der Garderobe anstand, nie gedacht hätte.

Als zehn Minuten nach acht schließlich Steffen und kurz darauf Sarah die Bühne betraten und mit einer Coverversion von Alex Clare’s „Too close“ das Konzert eröffneten, dauerte es keine Minute, bis sie das Publikum völlig in ihrem Bann hatten. Und ich wusste sofort, dass es die richtige Entscheidung war, mir spontan doch noch eine Karte zu kaufen.
Ich war nun wahrhaftig schon auf vielen Konzerten, aber selten habe ich so eine Harmonie zwischen Band und Publikum erlebt und selten hat eine Band so sehr mit dem Publikum kommuniziert wie Mrs. Greenbird. Wahrscheinlich bestanden die knapp zwei Stunden, die dieses Konzert dauerte, sogar weniger aus Musik und Gesang denn aus Anekdoten, Geschichten und Witzen oder eine Kombination aus allem. Dieser Charme der Fähigkeit, ein Konzert mit dem Publikum und nicht für das Publikum zu spielen, fehlt leider vielen Bands, die schon sehr viel länger auf der Bühne stehen. So aber entstand eine unglaubliche Atmosphäre, die es auch verziehen hätte, wenn das Konzert schon nach einer halben Stunde vorbei gewesen wäre. Steffen und Sarah wurden auch nicht müde, immer und immer wieder zu erwähnen, wie großartig wir wären und dass das Münchner Publikum nicht nur das größte wäre, vor dem sie je gespielt hätten, sondern auch – entgegen einiger Warnungen, die sich wohl im Vorfeld bekommen hatten – das wahnsinnigste, das sie auf ihrer Tour erleben durften. Spätestens, als der Applaus nach „Shooting Stars & Fairy Tales“ gefühlt länger gedauert hatte als das Lied selbst, war das auch endgültig bestätigt. Und auch, wenn ich so ganz ohne Begleitung da war, hat es mir bei diesem Publikum gar nicht so viel ausgemacht wie ich dachte, weil man so mitgerissen wurde, das es im Grunde egal war, wer um einen herumstand.

Nach einer kleinen Zugabe waren auch schon zwei Stunden gefüllt mit eigenen Liedern, Coversongs im unverkennbaren Mrs. Greenbird-Stil und viel, viel Charme und Witz vorbei und ich weiß, dass ich diesen wunderbaren Abend noch lange in Erinnerung halten werde.

Zuletzt ein großes Dankeschön an Sarah, Steffen, Christoph und Jens für das schöne Konzert, das sicherlich nicht mein letztes gewesen sein wird.
Und einen Gruß an all die Idioten, die sich nicht entscheiden konnten, ob sie jetzt oben oder unten stehen, doch noch etwas trinken oder zwischendurch eine rauchen wollten. Wenn diese Band nicht so eine unglaublich positive Stimmung verbreitete hätte, wäre ich spätestens beim dreißigsten Mal, als ich mich für irgendeinen von euch hin und herschieben musste, ausgerastet. So aber war auch das hunderste Mal noch irgendwie halbwegs zu ertragen.

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We’re all wonderful, wonderful people (Emeli Sandé: Read all about it Pt. III)

Es gibt so Momente im Leben, da ist man vollkommen erstaunt darüber, was in der heutigen Gesellschaft, die so egoistisch und unaufmerksam geworden ist, alles möglich ist. So einen Moment habe ich gestern erlebt.

Das Schöne an sozialen Netzwerken ist, dass man mit Menschen kommunizieren kann, die in allen Herren Ländern verstreut sind, die man noch nie im Leben gesehen hat und die man vermutlich auch nie treffen wird. Man findet sich in Gruppen zusammen, weil man sich für die gleichen Dinge interessiert, unterhält sich, aber ist zu nichts verpflichtet und kann jederzeit austreten, wenn etwas nicht so läuft wie man das gerne hätte.

Was aber passiert, wenn jemand aus dieser Gruppe, in der sich die wenigstens persönlich kennen und man nur schriftlich miteinander kommuniziert, wirklich Hilfe braucht? Wenn jemand in einer finanziellen Notsituation ist, aus der er alleine scheinbar nicht herauskommt? Man würde erwarten, dass es jedem egal ist. Dass sich alle nur um ihre eigenen Probleme kümmern. Dass man wegsieht. Dass sich die Gespräche ganz schnell wieder auf andere Themen verlagern und so getan wird, als wäre nichts geschehen.

Nicht so in dieser einen Gruppe, in der ich Mitglied bin. Hier entsteht eine Welle der Solidarität, die nicht nur aus leeren Worten besteht, sondern in der direkt nach den Kontodaten der betreffenden Person gefragt wird, damit jeder einen Kleckerbetrag überweisen kann, der keinem Menschen dieser Welt wehtut – aber in der Summe sehr viel helfen kann. Da durchsuchen die Mitglieder das Internet, um günstige Angebote des dringend benötigten Gegenstandes zu finden. Und da erklärt sich sogar jemand bereit, extra eine Leihgabe hinzufahren, bis genug Geld da ist, um etwas richtiges zu kaufen.

Und da heißt es immer, in der heutigen Zeit wäre Nächstenliebe ein Fremdwort. Ich bin stolz, gerührt und froh, dass ich solche Menschen kennen darf, auch wenn sie in Wahrheit gar nicht kenne. Dieses Erlebnis hat mir gezeigt, dass eben doch nicht alles schlecht ist, was im Internet passiert. Und dass man auch mir sofort helfen würde, wenn ich mal in einer Notlage bin.

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Read ’n Food-Challenge: Februar 2013

Kurz vor Ende dieses kurzen Monats habe ich es tatsächlich noch geschafft, meinen Beitrag für die erwähnte „Read ’n Food“-Challenge zu gestalten. Eigentlich dachte ich, dass ich schon viel früher damit fertig sein würde, aber mein gewähltes Buch hat mir dabei leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Warum? Das erfahrt ihr jetzt:

Das Buch
„Blinde & Gangsta“ von Jochen Bender

Ein Mord erschüttert die Blindenanstalt. Das Opfer war die rechte Hand des Chefs. Kriminalhauptkommissarin Anita Schenk und Kommissar Roland Berger starten ihre Ermittlungen an der Arbeitsstelle der toten. Doch reichen Intrigen und Streit unter Kollegen als Motiv für einen Mord? Oder ist der Täter doch im privaten Umfeld der Toten zu suchen?
Die Kommissare arbeiten zunächst eher gegen- als miteinander. Da geraten die beiden in einen Amoklauf und so manches ändert sich. Die Kriminalisten bringen endlich Licht ins Dunkel und eine wilde Flucht durch halb Europa beginnt.

Was recht spannend und interessant klang, entpuppte sich für mich als das vielleicht schlimmste Buch, das ich jemals gelesen habe. Ich dachte an eine nette Story, eingebettet in die Gegend, in der ich lebe und bei 246 Seiten auch ein recht schnelles Durchkommen. Bekommen habe ich dann aber leider 240 Seiten zu viel von einem Autor, der es wohl nicht mal geschafft hat, für seine Arbeit einen Lektor zu gewinnen. Umso geschockter war ich, als ich die positiven Bewertungen im Internet sah. Entweder habe ich ein anderes Buch gelesen oder mein Geschmack und meine Anforderungen an ein gutes literarisches Werk unterscheiden sich grundlegend von der der übrigen Leser.

Es beginnt noch recht spannend; man begleitet das spätere Opfer bei den letzten Stunden seines Lebens – und es dauert keine zwei Seiten, bis Karin Ehlert tot ist. Sofort kommen auch die ermittelnden Kommissare ins Spiel und im Laufe der Zeit wird beinahe jede auftretende Person einmal der Tat bezichtigt. Der Höhepunkt findet sich dann in einer skurrilen Flucht nach Russland, ehe das Buch plötzlich und von einer Sekunde auf die andere vorbei ist.

Ich hätte der Story durchaus etwas positives abgewinnen können, auch wenn sie nicht nur gnadenlos konstruiert wirkt, sondern vor allem gegen Ende immer unglaubwürdiger wird. Der Stil des Buches hat mir allerdings überhaupt keine Zeit gelassen, mich mit seinem Inhalt zu beschäftigen. Dass auf der ersten Seite zunächst alle Personen stichwortartig vorgestellt werden, erinnert schon eher an ein Theaterstück denn an einen Roman und führt – vermutlich anders als beabsichtigt – nur dazu, dass man während des Lesens ständig nach vorne blättern muss, um sich in Erinnerung zu rufen, wer denn nun eigentlich diese oder jene Figur war. Denn in der Handlung tauchen sie ohne jeglichen Erklärungssatz auf und es wird wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass man sie von Beginn an kennt. In zahlreichen Absätzen, auch an vollkommen sinnlosen Stellen, springt der Autor von einem Ort zum nächsten und von einer Person zur anderen – oder manchmal auch nur von einem Atemzug einer Person zum nächsten. Zwischenzeitlich wechselt sogar von Kapitel zu Kapitel das Tempus und man braucht mehrere Seiten um zu begreifen, dass da tatsächlich im Präsens und nicht mehr im Imperfekt geschrieben wird und man sich das nicht nur einbildet – wieso das allerdings so ist, bleibt für immer ein Rätsel. Am allerschlimmsten allerdings ist für mich (und das bringt mich auch zu der oben erwähnten Annahme, dass der Autor dieses Buch veröffentlicht hat, ohne es gegenlesen zu lassen) die Tatsache, dass sich Sätze finden, die so abstrus sind, dass man sie einfach nicht versteht – mit fehlenden oder doppelten Wörtern, mit Kommata an Stellen, an denen keine hingehören, mit fehlenden Kommata an Stellen, an denen sie für das Verständnis essentiell wären, mit Worttrennungen gegen jegliche Grammatikregeln, mit Abkürzungen mitten in Dialogen und vor allem mit einer absolut grauenvollen schriftlichen Darstellung des russischen Akzents einer der Hauptpersonen.

Ah, die Odär, wir habän äs gäschafft! Unsärä polnischän Brüdär könnän uns willkommän heißän!
S. 158

Schon als der Autor diese Person das erste Mal hat sprechen lassen, war ich nahe dran, das Buch wieder zu schließen.

Ihr n mit eurer Scheißvernunft!
S. 188

Wofür das „n“ an dieser Stelle stehen soll, ist mir bis jetzt ein Rätsel.

Da macht auch die Erklärung „Für Satz- und Druckfehler keine Haftung“ nichts mehr wett.

Hinzu kommen noch Handlungsstränge, über die man nur den Kopf schütteln kann. Was hat der Selbstfindungstrip der Ehefrau eines der Mitarbeiter der Blindenanstalt mit der Handlung zu tun? Wieso muss es einen Amoklauf geben, bei dem ein Kommissar verletzt wird, wenn weder das eine noch das andere im späteren Verlauf der Geschichte je wieder zur Sprache kommt, der Mann als Handelnder nicht wieder auftaucht sondern nur in einem Nebensatz einer anderen Person Erwähnung findet und man nicht mal am Ende erfährt, wie es dem Verletzten geht? Und was bringt Autoren dazu, immer eine Liebesgeschichte zwischen ermittelndem Kommissar und Angehörigem des Opfers einzuflechten?

Hätte ich nicht den inneren Zwang verspürt, das Buch für diese Challenge fertig zu lesen – ich hätte es nach dem ersten Kapitel zur Seite gelegt und nach einem besseren gegriffen. Ein solches zu finden ist wirklich kein Hexenwerk. Umso schlimmer, dass auch noch der Nachfolger dieses Buches bei mir liegt. Ob ich mich jemals dazu durchringen können werde, es zu lesen, wage ich zu bezweifeln.

Sollte ich dieses Buch nach Schulnoten bewerten, bekäme es eine glatte 6.
Sollte ich es nach dem Fünf-Sterne-Prinzip bewerten, bekäme es keinen einzigen.
Ein Buch, bei dem niemand etwas verpasst hat, wenn er es nicht gelesen hat.

Das Essen
Remstäler Nudelsalat

Ein Buch, das in Stuttgart spielt – was liegt da selbst für eine Bayerin näher, als für das passende Essen das Schwäbische Kochbuch aufzuschlagen? Entschieden habe ich mich für ein simples Gericht, das aber wenigstens mit meinen räumlich begrenzten Küchenmöglichkeiten gut umzusetzen war. Geschmacklich ist dieser „Remstäler Nudelsalat“ um Längen besser als es das Buch zu lesen war. Aber das ist ja auch wahrlich keine Kunst.

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Liebe geht durch den Magen. (Sprichwort)

Lange Zeit konnte ich mir nicht vorstellen, dass dieses Sprichwort tatsächlich einen wahren Kern haben könnte, zumal sich auch noch nie ein Mann bereit erklärt hat, mir ein liebevolles Essen zu kochen. Daher muss ich wohl mal wieder selbst aktiv werden. Allerdings rede ich diesmal leider nicht von der Liebe zwischen zwei Menschen, sondern von meiner persönlichen Liebe zu Büchern.

Glücklicherweise kann aber auch diese Liebe durch den Magen gehen. Kürzlich entschloss sich nämlich eine liebe Internet-Bekanntschaft, in ihrem Literaturblog eine Challenge zu starten. Das sind normalerweise Aktionen, bei denen in einer bestimmten Zeit eine bestimmte Anzahl von bestimmten Büchern mit bestimmten Kriterien gelesen werden muss. Da mein Geschmack und meine Anzahl an gelesenen Büchern leider nie damit vereinbar waren, habe ich aber noch nie an einer Challenge teilgenommen. Diese hier ist aber anders, denn hier geht es nicht um das Lesen von vorgeschriebenen Büchern, sondern man kann sich aussuchen, was man liest – egal, welches Genre, welcher Autor, welches wasauchimmer. Die einzige Voraussetzung ist, dass man ein zum Buch passendes Gericht kocht. Und Zeit ist dafür auch genug – ein komplettes Jahr lang. Macht also zwölf Bücher mit zwölf Mahlzeiten.

Klingt kompliziert? Klingt spannend!
Hier gibt es Informationen.

Das Ganze verschafft mir auch einen ganz neuen Blick auf meinen „SuB“ – meinen Stapel ungelesener Bücher. Die Auswahlkriterien, welches Buch ich als nächstes lese, sind nicht mehr Spannung, Länge oder Autor, sondern die Antwort auf die Frage, was man dazu kochen könnte. Ob man für die Challenge wohl auch Kochbücher lesen darf…?

Ich freue mich auf die nächsten zwölf Monate, denn das ist endlich mal eine Challenge, die auch für mich machbar ist – obwohl ich seit zwei Monaten nicht mehr für mich selbst gekocht habe, weil unsere Kantine in der Arbeit so fantastisch ist. Aber jetzt habe ich ja endlich wieder einen Anreiz, es doch zu tun. Und für diesen Monat habe ich sogar schon eine Idee, was es zu lesen und zu essen geben könnte.

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One day, baby, we’ll be old […] and think of all the stories that we could have told (Asaf Avidan: One day)

Wir werden leider alle nicht jünger. Und wer weiß, ob nicht tatsächlich eines Tages der Tag kommt, an dem wir an all die tollen Sachen denken, die wir hätten erleben können. Dinge, über die man sagt, man will noch seinen Enkeln davon erzählen – und es dann doch nicht tun kann, weil es nicht dazu kam.

Vielleicht kennt jemand den Film „Das Beste kommt zum Schluss“ – im Original „The Bucket List“ – mit Jack Nicholson und Morgan Freeman. In diesem Film geht es genau darum – das zu tun, was man wirklich will, bevor man stirbt. Deswegen arbeiten die beiden Hauptcharaktere eine Löffel-Liste ab, die gefüllt ist mit allerlei Dingen, die sie in ihrem Leben unbedingt getan haben wollen. Manches ist einfacher, manches schwerer zu erfüllen, manches klingt banal, manches nach einer Lebensaufgabe, und ob es den beiden schlussendlich gelingt, alles auf der Liste streichen zu können, will ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten – aber jedem diesen wunderschönen, herzerwärmenden Film ans Herz  legen:

Warum ich diesen Film ausgerechnet heute – ziemlich genau fünf Jahre nach dem Kinostart in Deutschland – ausgrabe? Nun, ganz einfach: Als ich ihn im Kino gesehen habe, habe ich mir vorgenommen, auch eine Löffel-Liste zu schreiben. Nur leider ist es bis heute nicht dazu gekommen. Jetzt aber, wo ich das im Titel zitierte Lied täglich im Radio höre und jedes Mal an ebendieser Zeile hängenbleibe, ist es mir wieder ins Gedächtnis gekommen und es wird einfach Zeit, diese Liste endlich mal schriftlich festzuhalten. Was also will ich getan haben, bevor ich den Löffel abgebe?

Ich will

  • an einem Flashmob teilgenommen haben
  • Blut gespendet haben
  • das Gefühl vollkommener Freiheit erlebt haben
  • das ultimative Foto geschossen haben
  • ein Fotoshooting gehabt haben
  • ein Konzert von Lady Antebellum in Nashville besucht haben
  • eine Transantlantik-Schiffsreise unternommen haben
  • einem Menschen das Gefühl gegeben haben, geliebt zu werden
  • einen Text in einem Printmedium veröffentlicht haben
  • einen Tourbus von innen gesehen haben
  • Fallschirm gesprungen oder Gleitschirm geflogen sein
  • goldene Hochzeit gefeiert haben
  • in einem Tonstudio bei einer Albumaufnahme dabei gewesen sein
  • in Island die Eruption eines Geysirs erlebt haben
  • in der Kriminaltechnik-Abteilung eines Landes- oder des Bundeskriminalamtes gearbeitet haben
  • mein Patenkind in der Dominikanischen Republik besucht haben
  • meine Kinder in einem spießigen Einfamilienhaus mit Garten aufwachsen gesehen haben
  • mindestens ein Jahr im Ausland gelebt haben, am besten im spanischsprachigen
  • von einem Enkelkind umarmt worden sein

Wer weiß, ob ich mir jeden dieser Punkte erfüllen können werde. Wer weiß, wie lange es dauern wird. Und wer weiß, ob im Laufe der Jahre nicht auch noch etwas dazukommt. Aber ich weiß, dass es eines Tages zu spät sein wird und ich dann nur noch dasitzen kann und über das nachdenken, was ich hätte tun und erleben können. Und dass es deswegen Zeit wird, mit dem Abarbeiten dieser Liste anzufangen.

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